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Jahresbericht 2020 und Ausblick 2021

Entwicklungen 2020

Brandschutzvorschriften 2026: erreichte Meilensteine 

Mit Vertretern direkt betroffener Organisationen hat die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) einen entsprechenden Schutzzielprozess durchgeführt. An insgesamt vier Workshops wurden gemeinsam Grundsätze zu Schutzzielen und zur Festlegung der notwendigen Grenzwerte formuliert. Mit den Stakeholdern konnte dahingehend eine Einigung erzielt werden, sodass die zukünftigen Brandschutzvorschriften auf zwei Zahlenwerten beruhen werden: auf dem Grenzwert für die Grenzkosten und auf dem Risikogrenzwert zur Festlegung des minimalen Sicherheitsniveaus. Die formulierten Grundsätze sowie die Zahlenwerte wurden am 17. September 2020 vom Interkantonalen Organ technische Handelshemmnisse (IOTH), als Auftraggeber der neuen Brandschutzvorschriften, verabschiedet.

Aufgrund der definierten Schutzziele und der daraus folgenden Herausforderungen wurde der eingeschlagene Weg auf die neuen Rahmenbedingungen ausgerichtet. Dies führte auch zu einer Anpassung der Zusammensetzung des Projektteams in Bezug auf die Risikoexpertise. Anstelle von Prof. Dr. Dirk Proske wurde neu Dr. Katharina Fischer im Projektteam aufgenommen. Die involvierten Personen sind überzeugt, das Projekt mit der neuen Zusammenstellung des Projektteams erfolgreich weiterführen zu können.

Relaunch Beratungsstelle für Brandverhütung BFB

In der Schweiz ereignen sich jährlich rund 11 000 Brände in Gebäuden. Neben zahlreichen Verletzten müssen dabei pro Jahr zwischen 13 und 31 Menschen im Feuer ihr Leben lassen. Die Brandschäden an den Gebäuden umfassen rund CHF 300 bis 350 Millionen pro Jahr. In vielen dieser Fälle sind die Brände auf Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit zurückzuführen. Genau hier setzt die Beratungsstelle für Brandverhütung BFB an: Die BFB trägt mit ihrer Präventionsarbeit dazu bei, Brände durch richtiges Verhalten zu verhindern und Schäden zu minimieren. Mittels Aufklärungsarbeit will die BFB die Mitmenschen für die Gefahren des Feuers sensibilisieren und mit konkreten Empfehlungen zur Verhütung von Bränden beitragen. Im Herbst 2020 lancierte sie ihre neue Website und präsentierte ihr modernisiertes Logo. Zudem ist die Beratungsstelle neu auch auf Facebook und Instagram präsent und gibt einfache Tipps zur Brandverhütung. Auch 2020 verschickte sie wiederum zahlreiche Pressemitteilungen zu aktuellen und saisonalen Themen, die in den Medien gut aufgenommen wurden. Alle Informationen zur BFB finden Sie unter www.bfb-cipi.ch.

Neuer Auftritt des Online-Brandschutzregisters – bsronline.ch

Um das Online-Brandschutzregister zielgruppengerechter zu gestalten, wurde die Einstiegsseite neu gestaltet. Die Inhalte werden neu auf folgende zwei Zielgruppen ausgerichtet:

–          Händler, Hersteller und Fachfirmen
–          Brandschutzbehörden, QS-Verantwortliche, Planer und Bauherren.

Nach der Auswahl gelangt der Benutzer direkt zu den auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Inhalten. Vermissen Brandschutzbehörden, QS-Verantwortliche, Planer und Bauherren ein Produkt im Register, können Sie dieses neu mittels eines einfachen Kontaktformulars melden. Insbesondere wurde die «News-Seite» überarbeitet. Sie zeigt die wertvollen Informationen übersichtlicher an. Dank des neuen Auftritts wird die Plattform auch zukünftig als die zentrale Auswahlplattform für Brandschutzprodukte beim Bauen oder Sanieren wahrgenommen. 

Ausbildung im Rahmen der Coronavirus-Pandemie und Digitalisierung des Ausbildungsangebots

Im Rahmen der Covid-19-Pandemie, insbesondere des damit verbundenen Lockdowns, wurde das VKF-Ausbildungsangebot teilweise auf elektronische Inhalte und Fernunterricht umgestellt. Die Angebote wurden anfänglich in rein elektronischer Form, zu einem späteren Zeitpunkt als gemischte Präsenz-/Online-Veranstaltungen durchgeführt. Die Teilnehmenden nahmen die Umstellung der Angebote positiv auf.

Fachtagungen mit hohen Teilnehmerzahlen 

Der Geschäftsbereich Ausbildung plante für 2020 drei Brandschutzfachtagungen. Im Winter wurde die französische Fachtagung in Lausanne mit über 220 anwesenden Teilnehmenden durchgeführt. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Veranstaltungsteilnehmenden, Partner und Mitarbeitenden steht bei der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen an erster Stelle. Deshalb mussten die beiden für Sommer 2020 vorgesehenen Fachtagungen abgesagt werden. Dies, obwohl die behördliche Erlaubnis zur Durchführung gegeben und die Veranstaltungen mit knapp 500 Teilnehmenden ausgebucht waren. Die Veranstaltungen sind ins Jahr 2021 verschoben worden.

Personenzertifizierungen sowie eidgenössische Prüfungen

Der Geschäftsbereich Ausbildung prüft im Rahmen der VKF Prüfungen und der eidgenössischen Prüfungen jährlich mehrere hundert Fachpersonen. Diese Qualifikationsverfahren können mit einem VKF-Zertifikat oder einem eidgenössischen Diplom auf tertiärer Stufe abgeschlossen werden.

Die normalerweise im Frühsommer stattfindenden VKF-Zertifikatsprüfungen wurden infolge des pandemiebedingten Lockdowns verschoben. Der neu gewählte Zeitpunkt zur Durchführung im Spätsommer / Herbst erwies sich als Glücksfall. Die Prüfungen konnten im Rahmen eines Schutzkonzepts ohne Zwischenfälle durchgeführt werden. Auch im Nachgang wurden keine Coronavirus-positiven Prüfungsteilnehmenden gemeldet. 

Die eidgenössischen Prüfungen vom November 2020 mussten aufgrund behördlicher Anweisung kurzfristig abgesagt werden. Vorgängig wurde alles unternommen, um die Durchführung der Prüfungen, unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, zu ermöglichen. Durch die hohe Kandidatenzahl (330 Prüfungsanmeldungen) war eine Prüfungsdurchführung ohne Ausnahmebewilligung der Kantone nicht möglich. Die Ausnahmebewilligung konnte aufgrund der Kurzfristigkeit der behördlichen Anweisung nicht mehr erwirkt werden. Ohne entsprechende Bewilligung wäre die Durchführung der Prüfung widerrechtlich gewesen und hätte die Gesundheit aller Anwesenden gefährdet.

Der Brandschutzmarkt durchläuft zur Zeit einen stetigen Wandel und verlangt  Brandschutzfachpersonen mit den aktuellsten Fachkenntnissen. Im Wissen darum hat sich die VKF entschieden, die Durchführbarkeit eines Ersatztermins im Frühsommer 2021 zu prüfen. Der Geschäftsbereich Ausbildung setzt alles daran, die anspruchsvolle Durchführung der Ersatzprüfungen zu ermöglichen. Dazu ist die VKF in engem Kontakt mit dem Staatssekretariat für Bildung Forschung und Innovation (SBFI). Gemeinsam mit dem Verband der Brandschutzfachpersonen Schweiz (VBSF) hat sie eine zusätzliche wertvolle Unterstützung erhalten. 

Strategisches IT-Projekt und SQS-Akkreditierung.  

Die neue Angebots- und Verwaltungssoftware «daylight» und der damit einhergehende Neuauftritt der VKF-Ausbildungsplattform mit integriertem Fachpersonenregister wurde Mitte Mai 2020 unter www.vkfausbildung.ch erfolgreich live geschaltet. Der Geschäftsbereich Ausbildung hat seine Arbeitsprozesse digitalisiert und dadurch effizienter gemacht. Alte Systeme wurden abgelöst und Medienbrüche eliminiert. Das Projekt wird nach gut zweijähriger Laufzeit im Frühjahr 2021 abgeschlossen. 

Der Geschäftsbereich Ausbildung ist eine nach SN EN ISO/IEC 17024:2012 akkreditierte Personenzertifizierungsstelle. In diesem Rahmen wurde das periodische, alle fünf Jahre fällige Reakkreditierungsaudit durchgeführt. Dabei stellte man keinerlei Abweichungen fest und das Audit wurde erfolgreich und ohne Auflagen bestanden. 

Schutz vor Naturgefahren auf Kurs

Im Januar 2020 nahm das Partnerprojekt unter der Marke «Schutz vor Naturgefahren – eine Initiative der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKG» zum zweiten Mal an der Swissbau in Basel teil. Der Fokus lag auf den Themen Hochwasser und Oberflächenabfluss. An den fünf Messetagen wurden acht Veranstaltungsblöcke durchgeführt und zwei Ausstellungsstände betrieben.
Am zweiten Messetag führte die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) einen auf Naturgefahren fokussierten Tag durch. Drei grosse Veranstaltungsblöcke, die an diesem «Naturgefahren-Tag» stattfanden, wurden simultan ins Französische übersetzt. Die grosse Mehrheit der sehr gut besuchten Veranstaltungen wurde mit Partnern durchgeführt, wie beispielsweise Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA, Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS. Am Stand konnten zwei Ausstellungsflächen bespielt werden. Eine befand sich unmittelbar vor dem Eingang eines stark frequentierten Veranstaltungsraums. Die andere befand sich im Zentrum der Messehalle. An beiden Ständen wurden die Besucher mittels Virtual-Reality-Produkten auf das Thema Hochwasser und Oberflächenwasser aufmerksam gemacht. In zahlreichen Gesprächen wurde auf die Dienstleistungen der Kantonalen Gebäudeversicherungen (KGV) im Bereich der Naturgefahrenprävention eingegangen.
Der Auftritt an der Swissbau 2020 war ein Erfolg. Sowohl schutz-vor-naturgefahren.ch wie auch die KGV konnten sich auf eine interaktive Weise und publikumsnah präsentieren.

Mitte 2020 trat der Schweizerische Gemeindeverband dem Partnerprojekt Schutz vor Naturgefahren bei. Der Schweizerische Gemeindeverband gilt seit mehr als 60 Jahren als politischer Vertreter der Gemeinden auf Bundesebene. Er vertritt 72 % aller Gemeinden in der Schweiz. Sein Beitritt ist von hoher Bedeutung für Schutz vor Naturgefahren, da die Gemeinden einen massgebenden Einfluss auf die Baubewilligungen und allfälligen Auflagen in der Schweiz haben.

Im Jahr 2021 wird die Wegleitung SIA 4002 «Hochwasser Wegleitung zur Norm SIA 261/1» publiziert. Sie unterstützt Ingenieure und Planer bei der Auswahl, Planung und Bemessung von Hochwasserschutzmassnahmen für Gebäude. Sie erläutert und veranschaulicht mögliche Lösungsansätze mit Fotos, Grafiken und Beispielen. Die Publikation wurde von der VKF mitfinanziert. Die enge Zusammenarbeit sowie der Austausch mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) bezieht sich in erster Linie auf den Bereich Naturgefahren. Die VKF beteiligt sich zudem laufend aktiv an Vernehmlassungen für neue Publikationen wie beispielsweise SIA-Normen.

Weiterentwicklung Hagelregister

Innerhalb der letzten zwei Jahre konnte die Anzahl bearbeiteter Anträge für einen Eintrag ins Hagelregister um zwei Drittel gesteigert werden. Die Ergebnisse der intensiven Zusammenarbeit mit Deutschland kam den Produkteherstellern zugute. Die nach den VKF-Prüfbestimmungen durchgeführten Hageltests entsprechen nun dem aktuellen Stand der Technik in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. Dadurch werden Produkte vergleichbar. Hersteller, die ihre Produkte prüfen und ins Hagelregister eintragen lassen, können sich auf diese Weise von ihren Mitbewerbern abheben.
In der Schweiz wurde im Berichtsjahr die Norm SIA 261/1 «Einwirkungen auf Tragwerke – ergänzende Festlegungen» neu veröffentlicht. In dieser sind erstmals Schutzziele für Einwirkungen durch Hagel definiert. Für «normale» Gebäude beträgt der Hagelwiderstand HW 3, wonach ein Bauteil durch ein Hagelkorn von 3 cm Durchmesser nicht beschädigt werden darf. Für Gebäude mit erhöhten Anforderungen beträgt der Hagelwiderstand HW 4. In dieser Norm wird insbesondere auf das Hagelregister verwiesen. Mit der stetig wachsenden Anzahl Anerkennungen «VKF-Hagelschutz» leisten die Kantonalen Gebäudeversicherungen ihren Beitrag, Gebäude in der Schweiz künftig resistenter gegen Hagel zu bauen.

Hagelschutz – einfach automatisch

Das Produkt «Hagelschutz – einfach automatisch» hat die Funktion, bei drohendem Hagel die Storen hochzufahren und so gegen Schäden zu schützen. Bis Ende 2020 konnten über 1300 Gebäude in das System integriert werden. Alleine im Jahr 2020 kamen rund 300 Installationen hinzu.
Im vergangenen Jahr wurden umfangreiche Programmierungsarbeiten an der Benutzerplattform durchgeführt. Dies, um die wachsende Anzahl Gebäude auch zukünftig qualitativ hochwertig betreuen zu können. 
Zunehmend wird die VKF Signalbox direkt an eine Gebäudesteuerung angeschlossen. Wenn die Hagelwarnungen über eine Schnittstelle übermittelt werden, ist die Steuerung direkt in der Lage, das Signal zu empfangen und zu verarbeiten. Bei modernen Steuerungen oder Smart-Home-Anlagen ist dies immer häufiger der Fall.
Ein grosses Bedürfnis der Kunden besteht darin, dass die Installation nicht nur gegen Hagel, sondern zusätzlich gegen Wind warnen kann. Diesem Kundenbedürfnis beabsichtigt die VKF im nächsten Jahr mit einem Pilotprojekt in der Region Zürich einen Schritt näherzukommen.

Neuerungen rund um den Wetter-Alarm 

Seit mittlerweile 15 Jahren warnt Wetter-Alarm zeitnah vor Unwettern. Die kostenlose Dienstleistung hat sich zudem in den letzten Jahren zu einer vollumfänglichen und populären Wetter-App www.wetteralarm.ch mit knapp 1.5 Mio. Kunden entwickelt. 

Auf die Gewittersaison 2020 konnten automatisierte Warnungen vor grosskörnigem Hagel erfolgreich eingeführt werden. Der Blitzradar wurde ebenfalls modifiziert und zeigt nun die Blitzdichte an. Die iOS-App von Wetter-Alarm ist neu seit Herbst 2020 für sehbehinderte Personen barrierefrei zu bedienen, was für mehr als 350 000 Personen eine grosse Erleichterung bedeutet. Wetter-Alarm ist in dieser Hinsicht Vorreiter unter den Schweizer Wetter-Apps. Eines der grössten Projekte im Jubiläumsjahr war die Neulancierung der Wetter-Alarm-Website. Diese zeigt erstmals auch Wetterdaten an und verfügt über eine neu aufgesetzte Unwetterkarte.

Ausblick 2021

Meinungsforschung Brandschutzvorschriften 2026

Eine Umfrage bei allen Anspruchsgruppen der Brandschutzvorschriften ist für das Folgejahr in Vorbereitung. Sie wird im Januar 2021 gestartet und bleibt zirka drei Monate zugänglich. Die Umfrage steht allen interessierten Organisationen, aber auch Einzelpersonen offen. Es geht um die Identifikation von Handlungsfeldern, die im Rahmen der Revision der Brandschutzvorschriften angegangen werden sollen.

Zukünftige Ausbildungsangebote

Trotz der zahlreichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie oder vielleicht auch gerade deshalb sind wertvolle Erfahrungen gesammelt worden. Zu erwähnen ist dabei insbesondere die Umstellung der Ausbildungsangebote auf Online-Kurse. Es gilt noch weiter zu evaluieren, welche Ansätze gewinnbringend angewendet werden können. Die Erkenntnisse der Digitalisierung werden die zukünftige Ausgestaltung der VKF-Ausbildungs- und Veranstaltungsangebote beeinflussen und nicht zuletzt auch in die Schulung der Brandschutzvorschriften 2026 einfliessen. Beispielsweise ist vorgesehen, die VKF-Fachtagungen als Hybridveranstaltungen, also vor Ort und gleichzeitig als Livestream, zu übertragen.

Schutz vor Naturgefahren – Neulancierung der Internetseite

Am 12. Januar 2021 wird die Plattform von Schutz vor Naturgefahren neu lanciert. Sie erscheint komplett überarbeitet und präsentiert sich künftig in einem frischeren Auftritt. Ihr Kernstück bildet der neue Naturgefahren-Check. Dank ihm können Gebäudeeigentümer schnell und einfach per Adresseingabe prüfen, welchen Naturgefahren sie an ihrem Standort ausgesetzt sind. Die Informationsplattform greift auf die kantonalen Gefahrenkarten und weitere Gefährdungskarten zu. Sie liefert binnen Sekunden eine Übersicht zu allen Naturgefahren, die für den jeweiligen Standort relevant sind. Basierend auf der Standortanalyse werden massgeschneiderte Präventionsempfehlungen abgegeben. Die Eingrenzung der Empfehlungen erfolgt über zwei bis drei Einstiegsfragen. Ebenfalls zu Jahresbeginn 2021 wird Schutz vor Naturgefahren auf den Social-Media-Plattformen aktiv, vorerst auf LinkedIn und Xing.

Jahresbericht 2020 und Ausblick 2021